Registrierungsformulare gehören zu den größten Bremsen im Onlinehandel. Pay-by-Bank setzt genau hier an: Kunden zahlen direkt über ihr Onlinebanking, ein separates Kundenkonto beim Händler ist dafür nicht zwingend nötig. Möglich macht das Open Banking, also der regulierte Zugang von Drittanbietern zu Zahlungskonten.

Was in Skandinavien als Nischenlösung begann, ist heute ein etabliertes europäisches Zahlungsmodell. Treiber ist dabei weniger Marketing als Regulierung: Seit der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 müssen Banken lizenzierten Drittanbietern über Schnittstellen Zugang zu Zahlungskonten ermöglichen.

Für Gründer mit eigenen Zahlungsflüssen stellt sich deshalb eine konkrete Frage: Lohnt sich Pay-by-Bank als Alternative oder Ergänzung zu Karte und Wallet? Dieser Beitrag erklärt Technik, Rechtslage, Chancen und Grenzen.

Kurz erklärt: Was ist Open Banking?

Open Banking bezeichnet die Öffnung von Bankkonten für zugelassene Drittanbieter über standardisierte Schnittstellen. Mit Zustimmung des Kontoinhabers dürfen diese Anbieter:

  • Zahlungen auslösen: Ein Zahlungsauslösedienst übermittelt eine Überweisung direkt aus dem Konto des Kunden.
  • Kontoinformationen abrufen: Ein Kontoinformationsdienst liest Umsätze oder Salden aus, etwa für Finanz-Apps oder Bonitätsprüfungen.

Pay-by-Bank ist die Anwendung des ersten Falls im Checkout: Der Kunde bezahlt per Überweisung, die er in seiner Banking-App freigibt.

Wie Pay-by-Bank technisch funktioniert

Der Kunde wählt im Checkout seine Bank aus und bestätigt die Zahlung in der Banking-App. Der Zahlungsauslösedienst übermittelt den Auftrag, während die starke Kundenauthentifizierung bei der Bank stattfindet. Kartendaten oder ein zusätzlicher Wallet-Login sind nicht nötig.

Anbieter wie Trustly, Brite oder Zimpler haben dieses Modell in Skandinavien bekannt gemacht. In Deutschland lief die Entwicklung lange über Lösungen wie die Sofortüberweisung. Heute erfolgen die Zugriffe zunehmend über dedizierte Bank-Schnittstellen.

Online-Checkout-Bildschirm mit Zahlungsdetails und Warenkorb

Ablauf in fünf Schritten

  1. Der Kunde wählt im Shop „Bezahlen per Bank“ und seine Bank.
  2. Er wird zur Banking-App oder zum Onlinebanking weitergeleitet.
  3. Er authentifiziert sich dort mit den gewohnten Zugangsdaten und einem zweiten Faktor.
  4. Er gibt die vorausgefüllte Überweisung frei.
  5. Der Händler erhält eine Bestätigung und kann die Bestellung freigeben.

Warum die Registrierung wegfallen kann

Die Bank hat ihren Kunden bei der Kontoeröffnung bereits identifiziert. Bestimmte Daten wie Name und IBAN liegen also vor und können, sofern rechtlich zulässig und vom Kunden autorisiert, im Zahlungsprozess an den Händler oder Zahlungsdienstleister übermittelt werden.

Damit kann der klassische Registrierungsschritt entfallen: kein separates Formular, kein zusätzliches Passwort, im besten Fall keine manuelle Dateneingabe. Für den Nutzer ist vor allem die Zahlung selbst sichtbar.

Ein Conversion-Thema für Produktteams

Jeder zusätzliche Pflichtschritt im Funnel kostet Nutzer, und Registrierungsformulare gehören zu den typischen Abbruchpunkten. Wie du solche Verluste misst, erklärt unser Beitrag Was ist eine Conversion und wie messe ich sie?. Open Banking kann den Registrierungsschritt aus dem Zahlungsablauf entfernen und so die Strecke vom Warenkorb zum Kauf verkürzen.

Wichtig: Wegfallende Registrierung heißt nicht, dass keine Identitätsprüfung stattfindet. Sie wird nur an die Bank verlagert. In regulierten Branchen kann der Händler weiterhin eigene Prüfpflichten haben.

Instant Payments beschleunigen die Auszahlung

Die zweite Hälfte des Modells ist die Rückrichtung. Mit der EU-Verordnung zu Instant Payments sind Echtzeitüberweisungen im Euroraum Standard geworden. Laut Europäischem Verbraucherzentrum Deutschland müssen Banken seit dem 9. Januar 2025 Echtzeitüberweisungen empfangen und seit dem 9. Oktober 2025 auch senden können. Das Geld soll innerhalb von zehn Sekunden gutgeschrieben sein, an 365 Tagen im Jahr.

Zwei weitere Regeln betreffen auch Gründer:

  • Gebühren: Echtzeitüberweisungen dürfen nicht mehr kosten als eine normale SEPA-Überweisung.
  • Empfängerüberprüfung: Seit dem 9. Oktober 2025 gleichen Banken bei Euro-Überweisungen im Europäischen Wirtschaftsraum ab, ob Empfängername und IBAN zusammenpassen.

Die Kehrseite: Eine freigegebene Echtzeitüberweisung lässt sich praktisch nicht mehr stoppen. Betrüger nutzen genau diese Geschwindigkeit. Händler und Plattformen brauchen deshalb eine gute Betrugsprävention, mehr dazu in unserem Beitrag über den Schutz von Online-Startups vor Cyberkriminellen.

Wo schnelle Auszahlungen gefragt sind

Sichtbar wird der Effekt überall, wo schnelle Auszahlungen Teil des Produktversprechens sind: bei Marktplätzen, die Verkäufer auszahlen, bei Versicherungen, bei Plattformen für Freelancer oder bei Rückerstattungen im Onlinehandel.

Kombiniert mit Open Banking entsteht ein geschlossener Kreislauf: Der Kunde zahlt per Bank-App ein, die Plattform kennt dadurch die verifizierte Kontoverbindung und kann Gutschriften oder Erstattungen in Sekunden auf genau dieses Konto zurücküberweisen. Für Nutzer fühlt sich das an wie ein Konto, ohne dass sie je ein Formular ausgefüllt haben. Für dich als Betreiber sinkt der Aufwand für manuelle Prüfungen von Bankdaten, und Fehlüberweisungen durch falsch eingetippte IBANs werden seltener.

Wenn „ohne Registrierung“ zur Warnung wird

Wie leicht sich das Versprechen von Tempo und Anonymität missbrauchen lässt, zeigt der Glücksspielmarkt. Unter Suchbegriffen wie casino mit sofortauszahlung ohne registrierung werden Angebote beworben, die Zahlungsauslösung, Krypto-Zahlungen und schnelle Auszahlungen kombinieren und dabei auf eine Identitätsprüfung verzichten. In Deutschland sind solche Angebote nicht erlaubt.

Online-Glücksspiel ist hierzulande nur mit einer Erlaubnis nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 zulässig. Welche Anbieter sie besitzen, zeigt die amtliche Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder. Lizenzierte Anbieter müssen Spieler identifizieren und dürfen nur Volljährige zulassen. Wer bei nicht erlaubten Anbietern spielt, hat bei Problemen kaum Rechtsschutz, und Glücksspiel birgt immer ein erhebliches Suchtrisiko.

Wer merkt, dass das Spielen außer Kontrolle gerät, findet kostenlose und anonyme Hilfe beim Angebot check-dein-spiel.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, telefonisch unter 0800 1 37 27 00.

Für Gründer ist das Beispiel eine Lehre: Open Banking senkt Reibung, ersetzt aber keine Compliance. Wer in regulierten Branchen schnelle, registrierungsfreie Prozesse anbietet, muss Identitätsprüfung, Jugendschutz und Geldwäscheprävention trotzdem lückenlos erfüllen.

Kosten, Abdeckung und Datenschutz

Pay-by-Bank ist kein Nischenprodukt mehr. Die Schnittstellen sind reguliert, Zahlungsanbieter lassen sich austauschen und eine Integration kann über spezialisierte Dienstleister vergleichsweise schnell gelingen. Drei Punkte solltest du in deine Kalkulation einbeziehen:

  • Kosten: Kontobasierte Zahlungen können günstiger sein als Kartenzahlungen, vor allem bei höheren Beträgen. Vergleiche die konkreten Konditionen der Anbieter.
  • Abdeckung: Nicht jede deutsche Bank bietet dieselbe Schnittstellenqualität und Stabilität. Ein Karten- oder anderer Zahlungsfallback bleibt vorerst sinnvoll.
  • Datenschutz: Kontodaten dürfen nur für klar definierte Zwecke verarbeitet werden. Einwilligungen und Datenweitergaben müssen transparent dokumentiert sein, siehe auch Datenschutz als Wettbewerbsvorteil für Startups.

Rückbuchungen und Käuferschutz

Bei Kartenzahlungen können Kunden über ein Chargeback Geld zurückholen. Bei Überweisungen gibt es diesen Mechanismus in dieser Form nicht. Für Händler sinkt dadurch das Risiko missbräuchlicher Rückbuchungen. Für Kunden fehlt dagegen ein vertrauter Schutz, was du mit klaren Rückgaberegeln und transparenter Kommunikation ausgleichen solltest.

Pay-by-Bank, Karte und Wallet im Vergleich

Pay-by-Bank ersetzt bestehende Zahlarten selten vollständig. Sinnvoller ist der Blick darauf, welche Methode für welchen Anwendungsfall passt:

  • Kreditkarte: international verbreitet, vertrauter Käuferschutz über Chargebacks, dafür höhere Gebühren und Risiko missbräuchlicher Rückbuchungen
  • Wallets: sehr bequem auf dem Smartphone, aber oft an ein Ökosystem und dessen Konditionen gebunden
  • Pay-by-Bank: direkte Kontozahlung ohne Kartendaten, häufig günstiger, Bestätigung über die Bank, aber abhängig von der Schnittstellenqualität der jeweiligen Bank
  • Klassische Überweisung oder Rechnung: im B2B-Geschäft verbreitet, aber langsam und mit Zahlungsausfallrisiko verbunden

Gerade im B2B-Bereich kann Open Banking interessant sein. Wenn Geschäftskunden Rechnungen per Bank-App freigeben, statt IBAN und Verwendungszweck abzutippen, sinken Fehler beim Zahlungsabgleich und deine Buchhaltung spart Zeit.

Integration in der Praxis

Als Startup musst du keine eigene Zulassung als Zahlungsdienstleister beantragen, um Pay-by-Bank anzubieten. In der Regel arbeitest du mit einem lizenzierten Zahlungsauslösedienst oder einem Payment-Service-Provider zusammen, der die Bankanbindung übernimmt.

Bei der Auswahl helfen diese Kriterien:

  • Bankabdeckung: Wie viele deutsche und europäische Banken sind angebunden, und wie hoch ist die Erfolgsquote der Zahlungen?
  • Integration: Gibt es fertige Plugins für dein Shopsystem oder eine gut dokumentierte Schnittstelle für eigene Entwicklungen?
  • Auszahlungen: Unterstützt der Anbieter auch Rückerstattungen und Auszahlungen per Echtzeitüberweisung?
  • Reporting: Lassen sich Zahlungen automatisch mit Bestellungen und Buchhaltung abgleichen?

Wie Zahlungsinfrastruktur auch im stationären Handel das Wachstum junger Unternehmen beeinflusst, zeigt unser Beitrag über mobile Kassen für Startups.

PSD3 und PSR: Was als Nächstes kommt

Die EU überarbeitet den Rahmen für Open Banking. Für die dritte Zahlungsdiensterichtlinie PSD3 und die neue Zahlungsdiensteverordnung PSR gab es im November 2025 eine vorläufige politische Einigung. Fachleute rechnen damit, dass die neuen Regeln frühestens ab Ende 2027 greifen, Details der technischen Standards stehen noch aus.

Absehbar sind strengere Anforderungen an Leistung und Verfügbarkeit der Bank-Schnittstellen sowie neue Regeln zur Haftung bei Zahlungsbetrug. Für Startups, die auf Open Banking setzen, dürfte das die Planungssicherheit erhöhen.

So prüfst du Pay-by-Bank für dein Startup

Bevor du integrierst, arbeite diese Fragen durch:

  1. Wie hoch sind deine durchschnittlichen Warenkörbe, und was kosten dich Karten- und Wallet-Zahlungen heute?
  2. Wo brechen Nutzer im Checkout ab, und wie viel davon entfällt auf Registrierung und Dateneingabe?
  3. Welche Banken nutzen deine Kunden, und wie gut ist deren Schnittstellenabdeckung beim gewünschten Anbieter?
  4. Welche Prüfpflichten gelten in deiner Branche zusätzlich zur Bank-Authentifizierung?
  5. Wie gehst du mit Rückerstattungen und Betrugsfällen um?

Starte mit Pay-by-Bank als zusätzlicher Option neben bestehenden Zahlarten und miss, wie sich Abbruchquoten und Kosten verändern. Die Registrierung war nie ein Kundenwunsch, sondern eine technische und regulatorische Notwendigkeit. Wo die Bank diese Aufgabe übernehmen kann, gewinnst du einen schlankeren Checkout.

Was kostet Pay-by-Bank für Händler?

Die Gebühren hängen vom Zahlungsdienstleister und vom Volumen ab. Häufig liegen sie unter denen von Kartenzahlungen, ein Vergleich der konkreten Konditionen lohnt sich.

Ist Open Banking sicher?

Die Zahlung wird bei deiner Bank mit starker Kundenauthentifizierung freigegeben, Drittanbieter brauchen eine Zulassung. Prüfe trotzdem immer, ob du dich wirklich im Onlinebanking deiner Bank befindest.

Brauche ich für Pay-by-Bank ein Kundenkonto beim Händler?

Nein, nicht zwingend. Die Identifizierung übernimmt deine Bank, der Händler kann je nach Branche aber weitere Angaben verlangen.

Wie lange dauert eine Echtzeitüberweisung?

Das Geld soll innerhalb von zehn Sekunden beim Empfänger sein, rund um die Uhr. Eine freigegebene Echtzeitüberweisung lässt sich praktisch nicht zurückholen.

Sind Online-Casinos ohne Registrierung in Deutschland erlaubt?

Nein. Erlaubte Anbieter brauchen eine Lizenz nach dem Glücksspielstaatsvertrag und müssen Spieler identifizieren, die Whitelist der Glücksspielbehörde zeigt, wer zugelassen ist. Hilfe bei Spielproblemen gibt es kostenlos bei check-dein-spiel.de.

Was ändert sich mit PSD3?

PSD3 und die neue Zahlungsdiensteverordnung sollen Schnittstellen verbessern und Haftungsfragen bei Betrug neu regeln. Mit der Anwendung wird frühestens ab Ende 2027 gerechnet.