Rund 640.500 Gewerbe wurden 2025 in Deutschland neu gegründet, 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei rund 130.100 davon handelte es sich laut Statistischem Bundesamt um Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung – also um Firmen mit Handelsregistereintrag oder Mitarbeitenden. Wer ein Unternehmen gründen will, steht damit vor mehr Entscheidungen als bei einer reinen Solo-Selbstständigkeit: Rechtsform, Gesellschaftsvertrag, Notar, Handelsregister und die Frage, wer im Team was verantwortet.

Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du ein Unternehmen gründen kannst – vom Gründerteam bis zur Eintragung. Du erfährst, welche Rechtsform zu dir passt, was eine Firmengründung kostet und welche Pflichten danach auf dich zukommen. Startest du allein und ohne Haftungsbeschränkung, findest du die Grundlagen in unserem Leitfaden Selbstständig machen in 9 Schritten.

Kurz beantwortet: Wie kann ich ein Unternehmen gründen?

Um ein Unternehmen zu gründen, entwickelst du ein tragfähiges Geschäftsmodell, wählst die passende Rechtsform, schließt einen Gesellschaftsvertrag, zahlst das Stammkapital ein und lässt die Firma ins Handelsregister eintragen. Danach folgen Gewerbeanmeldung und steuerliche Erfassung. Der Ablauf am Beispiel einer GmbH oder UG:

  1. Geschäftsmodell und Businessplan ausarbeiten
  2. Gründerteam und Rollen festlegen
  3. Rechtsform wählen
  4. Firmennamen prüfen
  5. Gesellschaftsvertrag beim Notar beurkunden
  6. Geschäftskonto eröffnen und Stammkapital einzahlen
  7. Eintragung ins Handelsregister und Transparenzregister
  8. Gewerbe anmelden und Finanzamt informieren

Unternehmen gründen oder selbstständig machen: Was ist der Unterschied?

Im Alltag werden beide Begriffe oft gleich verwendet. In der Praxis unterscheiden sie sich vor allem bei Haftung, Struktur und Aufwand. Als Freiberufler oder Einzelunternehmer bist du selbst das Unternehmen. Gründest du dagegen eine Gesellschaft, entsteht eine eigene juristische Person mit eigenem Vermögen, eigenen Pflichten und eigener Steuer.

Eine Kapitalgesellschaft lohnt sich besonders dann, wenn du:

  • mit Mitgründern startest und Anteile sauber verteilen willst,
  • größere Verträge, Kredite oder Mietverträge eingehst und dein Privatvermögen schützen möchtest,
  • Investoren aufnehmen oder Mitarbeitende beteiligen willst,
  • Gewinne im Unternehmen lassen und reinvestieren möchtest.

Die richtige Rechtsform für deine Unternehmensgründung

Die Rechtsform ist die folgenreichste Entscheidung, wenn du ein Unternehmen gründen willst. Sie bestimmt Haftung, Kapitalbedarf, Steuern und das Bild, das Kunden und Banken von dir haben. Ein späterer Wechsel ist möglich, kostet aber Zeit und Geld.

Unternehmen gründen: Gründer besiegeln den Gesellschaftsvertrag per Handschlag

Einzelunternehmen und eingetragener Kaufmann (e.K.)

Willst du allein ein Unternehmen gründen, entsteht das Einzelunternehmen automatisch mit der Gewerbeanmeldung. Es braucht kein Mindestkapital und keinen Notar. Dafür haftest du unbeschränkt mit deinem Privatvermögen. Erfordert dein Geschäft einen kaufmännischen Betrieb, musst du dich als eingetragener Kaufmann (e.K.) ins Handelsregister eintragen lassen.

GbR und OHG: Gründung im Team ohne Mindestkapital

Wenn zwei oder mehr Personen gemeinsam ein Unternehmen gründen, entsteht ohne weitere Formalitäten eine GbR. Seit der Reform des Personengesellschaftsrechts zum 1. Januar 2024 kann sie sich in ein neues Gesellschaftsregister eintragen lassen und heißt dann eGbR. Die OHG ist die kaufmännische Variante mit Handelsregistereintrag. In beiden Fällen haften alle Gesellschafter persönlich und unbeschränkt.

UG (haftungsbeschränkt): die Mini-GmbH

Mit der Unternehmergesellschaft kannst du ein Unternehmen gründen, das schon mit einem Euro Stammkapital auskommt. Sie haftet nur mit ihrem Firmenvermögen. Der Haken: Ein Viertel des Jahresüberschusses muss in eine Rücklage fließen, bis 25.000 Euro erreicht sind. Danach kannst du die UG in eine GmbH umwandeln. Banken und Lieferanten prüfen eine UG wegen des geringen Kapitals oft genauer.

GmbH: der Standard für Startups

Die GmbH braucht ein Stammkapital von 25.000 Euro, das in § 5 GmbH-Gesetz festgelegt ist. Bei einer Bargründung musst du vor der Anmeldung mindestens 12.500 Euro einzahlen. Die Haftung ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt, und Investoren kennen die Struktur. Für die meisten Startups mit Wachstumsplänen ist die GmbH deshalb die erste Wahl.

GmbH & Co. KG und AG

Bei der GmbH & Co. KG übernimmt eine GmbH die Rolle des voll haftenden Komplementärs, die Kommanditisten haften nur mit ihrer Einlage. Sie ist bei Familienunternehmen und Fonds beliebt. Die Aktiengesellschaft verlangt 50.000 Euro Grundkapital und viel Formalität – für die erste Firmengründung ist sie selten sinnvoll.

Unternehmen gründen in 8 Schritten: der Ablauf

Der folgende Ablauf zeigt, wie du ein Unternehmen gründen kannst – am Beispiel von GmbH und UG, weil sie die meisten Schritte haben. Wer ein Einzelunternehmen oder eine GbR gründet, überspringt Notar und Handelsregister.

1. Geschäftsmodell und Businessplan ausarbeiten

Bevor du ein Unternehmen gründen und Geld beim Notar ausgeben solltest, prüfst du dein Geschäftsmodell am Markt. Wer sind deine Kunden, was zahlen sie, und wann erreichst du die Gewinnschwelle? Ein Businessplan mit Finanzteil ist Pflicht, sobald du Kredite, Fördermittel oder Investoren brauchst. Für den ersten Test reicht oft ein Lean Canvas – mehr dazu in Businessplan vs. Lean Canvas.

2. Gründerteam und Rollen festlegen

Wollt ihr gemeinsam ein Unternehmen gründen, klärt ihr vor dem Notartermin die heiklen Fragen: Wer hält wie viele Anteile, wer übernimmt die Geschäftsführung, und was passiert, wenn jemand aussteigt? Eine Gesellschaftervereinbarung mit Vesting-Regeln schützt das Unternehmen, falls ein Mitgründer früh geht.

Verteilt außerdem die Verantwortung klar. Welche Aufgaben hinter Titeln wie CEO, COO oder CFO stecken, erklären wir in CFO, CEO, COO: Was bedeuten diese Abkürzungen im Startup?

3. Rechtsform wählen

Entscheide anhand von Haftungsrisiko, Kapital und Wachstumsplänen. Als Faustregel gilt:

  • Allein, geringes Risiko: Einzelunternehmen.
  • Im Team, geringes Risiko, wenig Kapital: GbR oder UG.
  • Wachstum, Investoren, Mitarbeitende: GmbH.
  • Mehrere Firmen oder geplanter Exit: Holding-Struktur prüfen.

Ob sich eine Holding schon beim Start lohnt, beleuchten wir in Holding beim Startup.

4. Firmennamen prüfen

Wer eine Firma gründen will, braucht einen unverwechselbaren Namen. Er muss sich von anderen Unternehmen am selben Ort deutlich unterscheiden und die Rechtsform enthalten, etwa „UG (haftungsbeschränkt)“. Die IHK prüft die Firmierung auf Wunsch vorab. Recherchiere zusätzlich im Handelsregister und im Markenregister, ob der Name schon geschützt ist, und sichere dir die passende Domain.

5. Gesellschaftsvertrag beim Notar beurkunden

Für GmbH und UG lässt du den Gesellschaftsvertrag notariell beurkunden. Bei bis zu drei Gesellschaftern und einem Geschäftsführer kannst du das günstige Musterprotokoll nutzen. Brauchst du individuelle Regeln, etwa zu Vesting oder Stimmrechten, ist eine eigene Satzung sinnvoller.

Seit August 2022 kannst du eine GmbH auch online gründen: per Videokonferenz mit dem Notar, Personalausweis mit Online-Funktion und Notar-App. Seit August 2023 gilt das auch für Gründungen mit Sacheinlagen. Wie das Verfahren genau abläuft, erklärt die IHK Frankfurt am Main.

6. Geschäftskonto eröffnen und Stammkapital einzahlen

Nach der Beurkundung eröffnest du ein Geschäftskonto auf den Namen der Gesellschaft in Gründung und zahlst das Stammkapital ein. Der Geschäftsführer versichert gegenüber dem Handelsregister, dass das Geld zur freien Verfügung steht. Erst dann reicht der Notar die Anmeldung ein.

7. Eintragung ins Handelsregister und Transparenzregister

Mit der Eintragung ins Handelsregister entsteht die GmbH oder UG offiziell, vorher haftest du als Gründer persönlich für Geschäfte im Namen der Firma. Die Eintragung dauert meist ein bis drei Wochen. Zusätzlich meldest du die wirtschaftlich Berechtigten – in der Regel alle Gesellschafter mit mehr als 25 Prozent – an das Transparenzregister.

8. Gewerbe anmelden und Finanzamt informieren

Mit dem Handelsregisterauszug meldest du das Gewerbe an. Innerhalb eines Monats füllst du über ELSTER den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung für Kapitalgesellschaften aus. Das Gewerbeamt informiert IHK und Berufsgenossenschaft. Kümmere dich parallel um Versicherungen, etwa eine Betriebshaftpflicht und für Geschäftsführer eine D&O-Versicherung.

Firma gründen Kosten: Checkliste auf dem Klemmbrett neben dem Laptop

Was kostet es, ein Unternehmen zu gründen?

Wer eine Firma gründen will, zahlt für die reinen Gründungskosten weniger, als viele denken. Teuer wird es vor allem beim Stammkapital und bei Beratung. Richtwerte für Notar und Handelsregister bei einer Bargründung (Stand 2026):

  • UG mit Musterprotokoll: rund 450 bis 550 Euro.
  • GmbH mit Musterprotokoll: rund 600 bis 750 Euro.
  • GmbH oder UG mit eigener Satzung: rund 1.000 bis 1.200 Euro.
  • Gewerbeanmeldung: je nach Kommune meist 15 bis 65 Euro.
  • Stammkapital: ab 1 Euro (UG) bzw. mindestens 12.500 Euro Einzahlung (GmbH) – es bleibt Firmenvermögen und darf für den Betrieb genutzt werden.
  • Steuerberatung und Rechtsberatung: je nach Umfang einige Hundert bis mehrere Tausend Euro.

Ein Einzelunternehmen oder eine GbR kannst du dagegen fast kostenlos gründen. Ein Vergleichsrechner wie der von firma.de zeigt die Notarkosten je nach Konstellation im Detail.

Steuern und Pflichten nach der Firmengründung

Bevor du ein Unternehmen gründen und Gewinne planen kannst, solltest du die Steuerlast kennen: Eine GmbH oder UG zahlt Körperschaftsteuer von 15 Prozent plus Solidaritätszuschlag und dazu Gewerbesteuer, deren Höhe vom Hebesatz deiner Gemeinde abhängt. Insgesamt liegt die Belastung meist bei rund 30 Prozent des Gewinns. Schüttest du Gewinne aus, fällt bei dir privat zusätzlich Abgeltungsteuer an.

Dazu kommen Pflichten, die viele Gründer unterschätzen:

  • Doppelte Buchführung und Bilanz: Kapitalgesellschaften müssen bilanzieren und den Jahresabschluss offenlegen.
  • Geschäftsführergehalt: Es muss angemessen sein und wird lohnversteuert.
  • Sozialversicherung: Gesellschafter-Geschäftsführer mit mindestens 50 Prozent der Anteile oder einer Sperrminorität sind in der Regel nicht sozialversicherungspflichtig – Fremdgeschäftsführer schon.
  • Trennung der Vermögen: Privatentnahmen aus der GmbH sind nicht erlaubt; Geld fließt nur über Gehalt, Ausschüttung oder Darlehen.

So finanzierst du deine Unternehmensgründung

Um ein Unternehmen gründen zu können, stehen dir neben Eigenkapital und Ersparnissen Förderkredite wie der ERP-Gründerkredit – StartGeld der KfW mit bis zu 125.000 Euro, Landesförderprogramme, Business Angels und Venture Capital offen. Für Investoren ist eine GmbH meist Voraussetzung, weil Anteile klar übertragbar sind. Welche Wege es zwischen Bootstrapping und Fremdkapital gibt, zeigt unser Beitrag zur Wachstumsfinanzierung für Startups.

6 typische Fehler, wenn Gründer ein Unternehmen gründen

Wer ein Unternehmen gründen will, sieht oft nur das Ziel und unterschätzt die Details. Diese Fehler kosten am meisten Geld und Nerven:

  • Keine Gesellschaftervereinbarung: Streit über Anteile und Ausstieg eskaliert ohne klare Regeln schnell.
  • Falsche Rechtsform aus Kostengründen: Die UG spart Kapital, kann aber bei Banken und Kunden Vertrauen kosten.
  • Geschäfte vor der Eintragung: Bis zur Eintragung haften die Handelnden persönlich.
  • Stammkapital als Polster missverstanden: Es gehört der Firma, nicht dir, und ist schnell aufgebraucht.
  • Pflichten unterschätzt: Bilanz, Offenlegung und Transparenzregister sind keine Kür.
  • Zu spät Beratung geholt: Ein Steuerberater vor der Gründung spart oft mehr, als er kostet.

Fazit: Unternehmen gründen mit Struktur

Ein Unternehmen gründen geht 2026 schneller und digitaler als je zuvor – bis hin zur GmbH per Videocall. Entscheidend ist nicht das Formular, sondern die Vorbereitung: ein geprüftes Geschäftsmodell, ein abgestimmtes Gründerteam und eine Rechtsform, die zu Risiko und Wachstumsplänen passt.

Arbeite die acht Schritte der Reihe nach ab, hol dir für Gesellschaftsvertrag und Steuern professionelle Hilfe und plane genug Liquidität für die ersten Monate ein. Dann ist die Eintragung ins Handelsregister nicht das Ende der Arbeit, sondern der Startschuss für dein Unternehmen.

Häufige Fragen zur Unternehmensgründung

Wie gründet man ein Unternehmen?

Du prüfst zuerst dein Geschäftsmodell, wählst eine Rechtsform und legst im Team Rollen und Anteile fest. Für GmbH und UG lässt du den Gesellschaftsvertrag beim Notar beurkunden, zahlst das Stammkapital ein und lässt die Firma ins Handelsregister eintragen. Danach meldest du das Gewerbe an und füllst beim Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus.

Was kostet es, eine Firma zu gründen?

Ein Einzelunternehmen oder eine GbR kostet meist nur die Gewerbeanmeldung von 15 bis 65 Euro. Für eine UG mit Musterprotokoll fallen für Notar und Handelsregister rund 450 bis 550 Euro an, für eine GmbH mit Musterprotokoll rund 600 bis 750 Euro. Bei einer GmbH kommen mindestens 12.500 Euro Stammkapital hinzu, das im Unternehmen bleibt.

Wie lange dauert eine Unternehmensgründung?

Ein Einzelunternehmen ist oft an einem Tag angemeldet. Eine GmbH oder UG braucht vom Notartermin bis zur Eintragung ins Handelsregister meist zwei bis vier Wochen. Die Vorbereitung mit Geschäftsmodell, Businessplan und Gesellschaftervereinbarung dauert in der Regel deutlich länger.

Welche Rechtsform ist für Gründer am besten?

Das hängt von Haftungsrisiko, Kapital und Zielen ab. Wer allein mit geringem Risiko startet, ist mit einem Einzelunternehmen gut bedient. Teams mit wenig Kapital wählen oft die UG, Startups mit Wachstumsplänen und Investoren meist die GmbH.

Kann ich ein Unternehmen ohne Eigenkapital gründen?

Ja. Einzelunternehmen und GbR brauchen kein Mindestkapital, eine UG lässt sich mit einem Euro gründen. Für den laufenden Betrieb brauchst du trotzdem Liquidität, etwa aus Ersparnissen, Förderkrediten oder ersten Umsätzen.

Kann ich eine GmbH online gründen?

Ja. Seit August 2022 ist die Gründung einer GmbH oder UG per Videokonferenz mit dem Notar möglich, seit August 2023 auch mit Sacheinlagen. Du brauchst einen Personalausweis mit Online-Funktion, ein Smartphone mit NFC und die Notar-App.