Die beste Entwicklerin für dein Produkt sitzt vielleicht in Bangalore, der passende Data Scientist in São Paulo. Für viele Startups ist internationales Recruiting längst Normalität, denn der Fachkräftemangel in Deutschland trifft junge Unternehmen besonders hart. Doch zwischen Zusage und erstem Arbeitstag liegt ein Verfahren mit Visum, Aufenthaltstitel, Anerkennung und Behördengängen.
Genau hier setzt ein Immigration Service an: Spezialisierte Dienstleister begleiten Arbeitgeber und neue Mitarbeitende durch den Einwanderungsprozess und kümmern sich häufig auch um den Umzug und die ersten Wochen in Deutschland.
In diesem Beitrag erfährst du, welche Wege es 2026 für internationale Fachkräfte gibt, wie das Verfahren abläuft, was ein Dienstleister übernehmen kann und wann du das Ganze besser selbst steuerst.
Was ist ein Immigration Service?
Ein Immigration Service unterstützt Unternehmen und Einzelpersonen bei allen aufenthaltsrechtlichen Schritten rund um einen Umzug nach Deutschland. Dazu zählen typischerweise:
- Prüfung, welcher Aufenthaltstitel passt, etwa Blaue Karte EU oder Aufenthaltserlaubnis für Fachkräfte
- Vorbereitung und Einreichung von Visums- und Aufenthaltsanträgen
- Begleitung der Anerkennung ausländischer Abschlüsse
- Kommunikation mit Ausländerbehörde, Botschaft und Bundesagentur für Arbeit
- Unterstützung nach der Ankunft, von der Wohnsitzanmeldung bis zur Steuer-ID
Oft ist der Immigration Service Teil eines umfassenderen Relocation Service, der zusätzlich Wohnungssuche, Schulsuche oder Orientierung vor Ort abdeckt. Rechtsberatung im engeren Sinne dürfen dabei nur Anwältinnen und Anwälte leisten.
Warum das Thema für Startups so wichtig ist
Große Konzerne haben eigene Global-Mobility-Teams. In einem Startup landet die Aufgabe dagegen oft bei der Gründerin, dem Office Manager oder einer HR-Person, die nebenbei auch Onboarding, Payroll und Recruiting betreut. Fehler im Verfahren kosten dann Wochen, manchmal ist die Kandidatin am Ende schon bei einem anderen Arbeitgeber.
Hinzu kommt der Wettbewerb um Talente. Welche Profile 2026 besonders gefragt sind, zeigt unser Beitrag zu Fachberufen 2026. Viele dieser Rollen, etwa in Softwareentwicklung, KI oder Data Engineering, lassen sich im Inland kaum schnell besetzen.
Die wichtigsten Wege für internationale Fachkräfte
Deutschland hat das Einwanderungsrecht in den vergangenen Jahren deutlich geöffnet. Für Startups sind vor allem drei Wege relevant.
Blaue Karte EU
Die Blaue Karte EU richtet sich an Fachkräfte mit Hochschulabschluss und einem Arbeitsvertrag, der eine Mindestgehaltsgrenze erreicht. 2026 liegt diese bei 50.700 Euro brutto im Jahr. Für Engpassberufe und Berufseinsteiger, deren Abschluss weniger als drei Jahre zurückliegt, gilt eine niedrigere Grenze von 45.934,20 Euro. IT-Fachkräfte können die Blaue Karte unter bestimmten Voraussetzungen auch mit mehrjähriger Berufserfahrung ohne Hochschulabschluss erhalten.
Aufenthaltserlaubnis für Fachkräfte
Wer eine anerkannte Berufsausbildung oder einen anerkannten Abschluss hat, aber die Gehaltsgrenze der Blauen Karte nicht erreicht, kann eine Aufenthaltserlaubnis als Fachkraft erhalten. Voraussetzung ist in der Regel, dass die ausländische Qualifikation in Deutschland als gleichwertig anerkannt ist.
Chancenkarte
Seit 2024 gibt es die Chancenkarte zur Jobsuche. Sie ermöglicht Fachkräften aus Drittstaaten, für bis zu ein Jahr nach Deutschland zu kommen und hier eine Stelle zu suchen. Wer keinen vollständig anerkannten Abschluss hat, braucht mindestens sechs Punkte, etwa für Sprachkenntnisse, Berufserfahrung oder Alter. Außerdem muss der Lebensunterhalt gesichert sein, 2026 grundsätzlich mit mindestens 1.091 Euro netto pro Monat. Während der Suche sind Nebenjobs bis 20 Stunden pro Woche erlaubt. Details nennt das Bundesportal Make it in Germany zur Chancenkarte.
Für Startups ist die Chancenkarte interessant, weil Kandidaten bereits im Land sind und sich persönlich vorstellen oder kurz zur Probe arbeiten können.
Das beschleunigte Fachkräfteverfahren: So sparst du Zeit
Für Arbeitgeber ist das beschleunigte Fachkräfteverfahren nach § 81a Aufenthaltsgesetz ein wichtiges Werkzeug. Statt dass die Fachkraft alles aus dem Ausland betreibt, stellt das Unternehmen den Antrag bei der zuständigen Ausländerbehörde.
Der Ablauf im Überblick:
- Vollmacht einholen: Die künftige Mitarbeiterin bevollmächtigt dich als Arbeitgeber.
- Vereinbarung schließen: Du schließt mit der Ausländerbehörde eine Vereinbarung und zahlst eine Gebühr von 411 Euro.
- Anerkennung: Die zuständige Stelle soll innerhalb von zwei Monaten nach Eingang vollständiger Unterlagen entscheiden.
- Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit: Äußert sich die Agentur nicht innerhalb einer Woche, gilt die Zustimmung als erteilt.
- Vorabzustimmung: Die Ausländerbehörde stellt eine Vorabzustimmung zum Visum aus, die du an die Fachkraft weiterleitest.
- Visumtermin: Die Auslandsvertretung vergibt innerhalb von drei Wochen einen Termin und soll in der Regel binnen weiterer drei Wochen entscheiden.
Eine Garantie für ein Visum gibt es nicht. Die Fristen und Voraussetzungen erklärt Make it in Germany zum beschleunigten Fachkräfteverfahren ausführlich.
Typische Stolperfallen im Verfahren
Viele Verzögerungen haben dieselben Ursachen. Wenn du sie kennst, kannst du gegensteuern, bevor Wochen verloren gehen:
- Unvollständige Unterlagen: Fehlende Übersetzungen, Beglaubigungen oder Arbeitszeugnisse führen zu Rückfragen und verschieben die Fristen.
- Unklare Anerkennung: Ob ein ausländischer Abschluss vergleichbar ist, lässt sich nicht immer sofort beantworten. Plane hier den größten Zeitpuffer ein.
- Arbeitsvertrag passt nicht: Gehalt, Stellenbeschreibung und Qualifikation müssen zusammenpassen, sonst verweigert die Bundesagentur für Arbeit die Zustimmung.
- Lange Wartezeiten bei Auslandsvertretungen: Ohne beschleunigtes Verfahren können Visumtermine in manchen Ländern Monate entfernt liegen.
- Arbeitgeberwechsel: Wechselt die Fachkraft später den Job, kann eine Mitteilung an oder Erlaubnis durch die Ausländerbehörde nötig sein.
Ein erfahrener Immigration Service kennt diese Hürden aus vielen Verfahren. Aber auch ohne externe Hilfe gilt: Eine saubere Checkliste und ein fester Verantwortlicher im Team verhindern die meisten Pannen.
Wann sich ein Immigration Service für dein Startup lohnt
Ob du das Verfahren selbst steuerst oder einen Dienstleister beauftragst, hängt von Volumen, Zeitdruck und Komplexität ab. Ein externer Immigration Service ist besonders sinnvoll, wenn:
- du mehrere internationale Einstellungen pro Jahr planst,
- die Anerkennung eines Abschlusses unklar oder aufwendig ist,
- Familienangehörige mitkommen und ein Familiennachzug nötig wird,
- dein Team keine Erfahrung mit Ausländerbehörden hat,
- ein fester Starttermin, etwa für ein Projekt oder eine Finanzierungsrunde, eingehalten werden muss.
Ein Beispiel für einen solchen Anbieter ist der Immigration Service von ERES Relocation. Das Leistungsspektrum reicht nach Angaben des Unternehmens von Anträgen auf Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, Blaue Karte und ICT-Karte über Zustimmungsanfragen bei der Bundesagentur für Arbeit bis zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse sowie Anmeldung, Krankenversicherung und Steuer-ID nach der Ankunft.
Bei einer oder zwei Einstellungen mit klarer Ausgangslage kannst du das Verfahren dagegen oft selbst organisieren, vor allem wenn deine Ausländerbehörde gut erreichbar ist.
Gründer aus dem Ausland: Selbstständigkeit in Deutschland
Nicht nur Mitarbeitende, auch Gründerinnen und Gründer aus Drittstaaten kommen nach Deutschland. Wer Unterstützung bei der Gründung ihres Unternehmens sucht, muss zuerst die aufenthaltsrechtliche Frage klären.
Für eine gewerbliche Selbstständigkeit ist eine Aufenthaltserlaubnis nach § 21 Aufenthaltsgesetz vorgesehen. Die Voraussetzungen im Überblick:
- Es besteht ein wirtschaftliches Interesse oder ein regionales Bedürfnis für das Angebot.
- Die Tätigkeit lässt positive Auswirkungen auf die Wirtschaft erwarten.
- Die Finanzierung ist durch Eigenkapital oder eine Kreditzusage gesichert.
- Wer älter als 45 Jahre ist, muss zusätzlich eine angemessene Altersvorsorge nachweisen.
Die Erlaubnis wird zunächst für bis zu drei Jahre erteilt. Wie die Gründung selbst abläuft, von der Rechtsform bis zur Anmeldung, beschreibt unser Leitfaden Unternehmen gründen. Ein Immigration Service kann hier die aufenthaltsrechtliche Seite koordinieren, ersetzt aber keine rechtliche oder steuerliche Beratung.
Nach der Ankunft: Relocation als Teil des Onboardings
Mit dem Visum ist die Arbeit nicht erledigt. Die ersten Wochen entscheiden oft darüber, ob sich neue Teammitglieder wohlfühlen und bleiben. Typische Aufgaben nach der Einreise sind:
- Wohnsitzanmeldung beim Bürgeramt
- Eröffnung eines Bankkontos
- Abschluss einer Krankenversicherung
- Beantragung von Steuer-ID und Sozialversicherungsnummer
- Termin bei der Ausländerbehörde für den Aufenthaltstitel
- Suche nach Kita- oder Schulplätzen für Kinder
Gerade die Wohnungssuche ist in vielen Großstädten ohne deutsche Schufa-Auskunft und Gehaltsnachweise schwierig. Ein Relocation Service oder ein erfahrenes Teammitglied als Buddy kann hier viel abfedern. Wie du neue Mitarbeitende langfristig hältst, liest du in unserem Beitrag zu Onboarding und Mitarbeiterbindung.
Worauf du bei der Auswahl eines Dienstleisters achten solltest
Der Markt für Relocation- und Immigration-Dienstleistungen ist vielfältig. Diese Kriterien helfen dir bei der Entscheidung:
- Leistungsumfang: Deckt der Anbieter nur das Visum ab oder auch Anerkennung, Familiennachzug und Ankunft?
- Rechtlicher Rahmen: Bei komplexen Fällen sollte eine Anwältin oder ein Anwalt für Migrationsrecht eingebunden sein.
- Transparente Kosten: Lass dir Pauschalen und Zusatzkosten, etwa für Übersetzungen oder Apostillen, vorab schriftlich geben.
- Feste Ansprechperson: Für dich und die neue Fachkraft sollte klar sein, wer zuständig ist.
- Datenschutz: Pässe, Zeugnisse und Familiendokumente sind sensible Daten.
Dein Fahrplan für die erste internationale Einstellung
Plane für die erste internationale Einstellung mindestens drei bis vier Monate zwischen Zusage und Arbeitsbeginn ein. Prüfe früh, ob der Abschluss anerkannt ist, welcher Aufenthaltstitel passt und ob das Gehalt die Grenze der Blauen Karte erreicht. Nutze bei Zeitdruck das beschleunigte Fachkräfteverfahren.
Entscheide dann bewusst, ob du das Verfahren selbst steuerst oder einen Immigration Service einbindest. Bei mehreren Einstellungen, Familiennachzug oder unklarer Anerkennung spart externe Unterstützung meist mehr Zeit, als sie kostet. Und denk an die Zeit nach der Ankunft: Ein gut vorbereitetes Onboarding entscheidet darüber, ob deine neue Fachkraft bleibt.
Was kostet ein Immigration Service?
Die Kosten hängen vom Umfang ab und werden meist als Pauschale pro Person oder Verfahren berechnet. Hinzu kommen Behördengebühren, etwa 411 Euro für das beschleunigte Fachkräfteverfahren, sowie Kosten für Übersetzungen und Beglaubigungen.
Wie lange dauert es, eine Fachkraft aus dem Ausland einzustellen?
Mit dem beschleunigten Fachkräfteverfahren sind wenige Monate realistisch, wenn die Unterlagen vollständig sind. Ohne dieses Verfahren und bei aufwendiger Anerkennung kann es deutlich länger dauern.
Wie hoch ist das Mindestgehalt für die Blaue Karte EU 2026?
2026 liegt die Gehaltsgrenze bei 50.700 Euro brutto im Jahr. Für Engpassberufe und Berufseinsteiger gilt eine reduzierte Grenze von 45.934,20 Euro.
Brauche ich als Startup einen Relocation Service?
Nicht zwingend. Bei einzelnen Einstellungen mit klarer Ausgangslage kannst du vieles selbst organisieren, bei mehreren Fällen oder Familiennachzug spart ein Dienstleister jedoch Zeit und Nerven.
Was ist der Unterschied zwischen Immigration Service und Relocation Service?
Ein Immigration Service kümmert sich um Visum, Aufenthaltstitel und Behördenverfahren. Ein Relocation Service umfasst zusätzlich praktische Themen wie Wohnungssuche, Anmeldung und Orientierung vor Ort.
Können ausländische Gründer in Deutschland ein Startup gründen?
Ja, dafür gibt es die Aufenthaltserlaubnis zur selbstständigen Tätigkeit nach § 21 Aufenthaltsgesetz. Voraussetzung sind unter anderem ein wirtschaftliches Interesse an der Geschäftsidee und eine gesicherte Finanzierung.
